P 556/2025 Az.: 047.43 / Schulausschuss spricht über zukunftsfeste Strukturen für weiterführende Schulen (28.11.2025)
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Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Bearbeiterin Christiane Conzen E christiane.conzen@staedtetag-bw.de T 0711 22921-48 F 0711 22921-42 Az 047.43 - P 556/2025 · Co 28.11.2025
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Schulausschuss spricht über zukunftsfeste Strukturen
für weiterführende Schulen Stuttgart. Das baden-württembergische Schulwesen steht vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Der Ausschuss für Schule, Kultur und Sport des Städtetags Baden-Württemberg hat in Konstanz mit Landtagsabgeordneten über mögliche Reformschritte diskutiert. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie das System der weiterführenden Schulen finanziell, personell und organisatorisch zukunftsfest gemacht werden kann. Das frühere dreigliedrige Gefüge hat sich weiterentwickelt – Gymnasien, Realschulen, Werkreal- und Hauptschulen sowie Gemeinschaftsschulen stehen heute zur Auswahl. Trotz der Einführung neuer Schularten blieb der Trend zum Gymnasium lange ungebrochen – erst die Wiedereinführung der Grundschulempfehlung hat diesen jüngst gebremst. Die aktuellen Schülerzahlen zeigen jedoch weiterhin deutliche Ungleichgewichte: • Gymnasien haben im Schuljahr 2025/26 rund 40,6 Prozent der Schülerschaft, • Realschulen 36,5 Prozent, • Gemeinschaftsschulen 17,1 Prozent, • Werkreal- und Hauptschulen nur noch 5,8 Prozent. Diese Verteilung spiegelt sich auch in den durchschnittlichen Schulgrößen wider: Während Gymnasien im Schnitt 654 Schülerinnen und Schüler zählen, kommen Werkreal- und Hauptschulen lediglich auf 167 Schülerinnen und Schüler. Diese Kleinteiligkeit verursacht erhebliche Mehrkosten – insbesondere für die Kommunen, die Gebäude, Ausstattung und Infrastruktur bereitstellen. Ralf Broß, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags, war nach dem offenen und konstruktiven Gespräch zuversichtlich: „Dass großer Handlungsbedarf besteht, haben die Landtagsfraktionen mehrheitlich bestätigt und ihre Bereitschaft zur Kooperation mit dem Städtetag bekundet. Das ist ein gutes Fundament für die zukunftsweisende Weiterentwicklung des Schulwesens in den kommenden fünf Jahren mit dem dann neugewählten Landtag. Im Mittelpunkt aller Bildungspolitik müssen das Wohl und die gute Zukunft unserer Kinder stehen. Darauf müssen die nun sehr knapp gewordenen Finanzmittel der Kommunen konzentriert werden.“ Bereits 2012 hatte der Städtetag im Zuge der Gemeinschaftsschuleinführung dafür plädiert, allen allgemeinbildenden Schularten neben dem Gymnasium den Weg für das Zusammenwachsen zu einer ebenso starken zweiten Säule des Schulwesens zu ebnen. Trotz einzelner Weiterentwicklungen ist das System aber bis heute weitgehend unverändert geblieben – während sich die finanzielle Lage der Kommunen dramatisch verschlechtert hat. Auch vor diesem Hintergrund wird derzeit die Idee einer „Neuen Sekundarschule“ diskutiert, die auf bestehenden Schulstandorten beruhen und langfristig zu einem zweigliedrigen Schulsystem führen soll. Iris Mann, Bildungsbürgermeisterin von Ulm und Vorsitzende des Ausschusses, betonte: „Es stehen große bildungspolitische Herausforderungen ins Haus. Der Finanz- und Personaleinsatz wird effizienter, wenn die aktuelle Vielzahl weiterführender Schularten reduziert wird. Ich hoffe auf eine klare Prioritätensetzung des Landes in Richtung eines zweigliedrigen Schulsystems, damit die vorhandenen Mittel möglichst gewinnbringend für die Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden.“ Der Städtetag Baden-Württemberg sieht in einer strukturellen Modernisierung der weiterführenden Schulen eine zentrale Voraussetzung dafür, den Bildungsstandort Baden-Württemberg zu stärken und die Kommunen langfristig zu entlasten. Ein Beispiel dafür will die gastgebende Stadt Konstanz erproben, die mit zwei Gemeinschaftsschulen bereits Erfahrungen mit innovativen pädagogischen Konzepten hat. Konstanz plant im neuen Stadtteil Hafner (städtebauliche Entwicklungsmaßnahme für insgesamt mehr als 3000 Wohneinheiten) eine bis zu sechszügige Verbundschule aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule, für die eine eigene pädagogische Konzeption entwickelt wurde. Zwei stark nachgefragte Schularten werden unter einem Dach und unter einer Leitung vereint, vorhandene – auch räumliche – Kapazitäten werden ressourcenschonend genutzt und das pädagogische Konzept soll Chancengleichheit und Standortqualität stärken. „Grundlage dafür waren wissenschaftlich fundierte Bedarfsanalysen, ein umfassender Beteiligungsprozess mit allen relevanten Akteuren und die breite Zustimmung des Gemeinderats, der jede Planungsstufe intensiv beraten hatte“, erläuterte Dr. Andreas Osner, der für Bildung zuständige Bürgermeister der Stadt Konstanz. „Die baulichen und räumlichen Konzepte wurden eng mit dem Kultusministerium und dem Regierungspräsidium Freiburg abgestimmt. Der Schulversuch ist beantragt und das Genehmigungsverfahren befindet sich auf der Zielgeraden. Die Schule wird damit einen weiteren Beitrag zur zukunftsfähigen Entwicklung der Bildungslandschaft im Land leisten.“
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